Vegan, veganer, am vegansten…

„… und was ist mit den Spinnen, die Du in der Nacht verschluckst?“

Wer kennt sie nicht, die Frage nach dem hundertprozentigen veganen Leben? Egal, ob interessierter Omni, der die berechtige Frage stellt, wie man denn nun den treuen Hund oder die geliebte Katze ernährt und was mit den vielen Fliegen sei, die ihr jähes Ende an der Windschutzscheibe des Autos oder des Motorradvisiers finden.
Die gute Nachricht, ist gleichzeitig auch die schlechte Nachricht. Hundert Prozent vegan zu leben ist nicht möglich… oder doch?
Der beflissene Veganer weiss natürlich, dass Zigarettenfilter Schweineblut enthalten und dass sie an Tieren getestet werden. Aber wer fragt schon explizit, ob der Pflanzendünger den man eventuell in die Blumen gießt oder der zur Heranzucht der vegetalen Erzeugnisse genutzt wurde auch keine tierischen Bestandteile enthält?

Spätestens wenn die Anzahl der getöteten Tiere, in erster Linie Rehkitze, die von ihren Müttern dort versteckt werden, beim Mähen der Getreidefelder hört, weiss dass es unmöglich ist sich 100% tierleidfrei zu ernähren oder zu leben.
Da gibt es Attila Hildmann, der mit Überzeugung die vegane Ernährung propagiert und gleichzeitig einen Porsche mit Ledersitzen fährt. Da ist der Veganer, der auf einmal zum „Bee-ganer“ wird, weil der nicht bewusst auf Bienenwachsprodukte verzichtet, da ist der, der ein tierproduktfreies Eis kauft mit einem mal kein Veganer mehr, weil das Eis in einer Firma hergestellt wird, die auch Milcheis herstellt, von Firmen wie Nestlé ganz zu schweigen…
Die Moralfragen drehen immer engere Kreise. Ist es noch vegan Pferde zu reiten? Und wie vegan ist es überhaupt ein Haustier zu besitzen? Schließen sich diese beiden Dinge nicht ursächlich schon aus? Oder ist es gerade vegan sich um die Tiere zu kümmern, die wir über Jahrhunderte domestiziert und damit von uns abhängig gemacht haben?
Hätte ich die Zecke, die gerade im Begriff war sich in meinen Brustkorb zu drehen, nicht doch besser liebevoll versucht zu entfernen und in die Natur zurück entlassen?
1.000.000 Tiere sterben weltweit an den Folgen des Verzehrs von Plastikmüll. Mache ich mich mitschuldig, wenn ich Klopapier in Plastikfolie kaufe?

Die „Vegan Society“ definiert es so:
“… soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll.”

(von: Bund für vegane Lebensweise)

Der einzige Weg aus diesem Dilemma liegt also in jedem selber. Die Grenzen der Machbarkeit muss wohl jeder selber seinen ideologischen und ethischen Maßstäben anpassen und wenn man wieder der Diskussionspartner grient: “Aber ist denn Dein Porzellan wirklich vegan?“, dann muss man für sich selber klar kriegen, wie weit diese Diskussion am Ende gehen wird.

Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass jeder, der sich entschieden hat sich mit der veganen Lebensweise zu beschäftigen und sie versucht so gut es geht in seinem persönlichen Rahmen umzusetzen, auf einem Weg ist, der sowohl im tierrechtlichen, als auch im Bereich des Umwelschutzes mehr bringt, als es gar nicht zu tun.
Und den Kritikern der veganen Lebensweise kann man nur gelassen entgegnen und ihnen zustimmen, wenn es mal wieder so weit ist, dass einer von ihnen bemerkt, dass es den absolut perfekten Veganer nicht gibt.
Aber auch die eifrigen Ober-Veganer, die glauben sie könnten anderen eine Definition dessen „was noch vegan ist“ indoktrinieren, darf man entspannt entgegen treten. Jeder von uns tut wohl das, was ihm gerade möglich ist und das ist gut so!